Biodiversitätsforschung vor der Haustür oder: Was kreucht und fleucht um Haus und Hof? - Teil 13

13. Beitrag zur Käferfauna eines Gartengrundstücks

Vorbemerkungen (je ein Zitat aus den zwölf vorangegangenen Beiträgen zur „Haus- und Hofkäferfauna“ 2013 bis 2023):

„…Ende 2013 berichtete ich im Beitrag: „Was kräucht und fleucht um Haus und Hof – Teil 1“ über die Käfer, die ich im Laufe des Jahres auf dem Grundstück nachgewiesen hatte. Bei gelegentlichen „Gartenexkursionen“, bei gezielten Beobachtungen der Vegetation und bei mehreren Lichtfängen waren etwas mehr als 300 Käferarten zusammengekommen…“

„…Im Jahr 2014 packte mich der Ergeiz und ich intensivierte die Käfererfassungsaktivitäten, indem ich vier Bodenfallen eingrub und alle 14 Tage leerte, eine Fensterkreuzfalle aufhängte und wiederum mehrere Lichtfänge machte. Am Ende des Jahres sind fast 500 Käferarten zusammengekommen, von denen wiederum fast 300 Arten neu waren, d.h. diese 300 Arten hatte ich im Jahr zuvor noch nicht gefunden. Somit sind nach zweijährigem Untersuchungszeitraum etwa 610 Käferarten auf dem Grundstück nachgewiesen worden. Die Ergebnisse sind im Beitrag „Was kräucht und fleucht um Haus und Hof – Teil 2“ dargestellt…“

„…Im Jahr 2015 gingen die Erfassungen mit geringerem Aufwand weiter. Wiederum spazierte ich besonders aufmerksam in den „eigenen vier Zäunen“ umher und alles, was mir an Käfern über den Weg lief, vors Auge flog sowie an der Hauswand oder auf der Vegetation saß, wurde bestimmt und dokumentiert, und falls es unbekannt oder auf den ersten Blick schwer erkennbar war, wurde es genauer unter die Lupe genommen. Zudem ist von Mitte Juni bis Mitte Oktober eine Bodenfalle auf der Wiese unter einem extra belassenen Heuhaufen und eine weitere Bodenfalle mitten im Komposthaufen eingegraben und alle 14 Tage geleert worden. Auch führte ich wieder mehrere Lichtfänge durch. Das Ergebnis am Ende Jahres: 360 Käferarten, darunter 110 neue Arten, d.h. sie wurden in den beiden Jahren zuvor noch nicht nachgewiesen (siehe auch: Beitrag „Was kräucht und fleucht um Haus und Hof – Teil 3“)...“

„…Auch in diesem Jahr 2016 wurde die Käferfauna des Grundstücks aufmerksam beobachtet und dokumentiert. Die Fangmethoden waren wiederum das gelegentliche Aussieben von Heu- und Laubhaufen, Klopfschirm- und Kescherfänge sowie Lichtfänge. Außerdem wurde im April und im Juni eine Bodenfalle im Kompost eingegraben und wöchentlich geleert. Am Ende des Jahres sind wieder über 300 Arten nachgewiesen worden mit immerhin fast 80 Neunachweisen, d.h. sie wurden in den drei Jahren zuvor noch nicht gefunden. Innerhalb von vier Jahren sind demnach 800 Käferarten auf dem 1000 qm großen Grundstück gefunden worden! Somit konnten fast 20 % der Arten nachgewiesen werden, die aktuell für ganz Sachsen gemeldet sind…“ (siehe auch: Beitrag „Was kräucht und fleucht um Haus und Hof – Teil 4“)…

Im Jahr 2017 gingen die Erfassungen zur Käferfauna des Grundstücks weiter. Die Fangmethoden und der Erfassungsumfang war ähnlich wie in den Vorjahren, d.h. Handfänge, Heu- und Laubgesiebe, 4 Lichtfänge sowie der gelegentliche Einsatz von Streifsack und Klopfschirm. Zudem gab es wieder Bodenfallenerfassungen von Mai bis Juli. Eine Bodenfalle wurde auf der Wiese am Stammfuß des Bergahorn-Hochstubbens eingegraben, was in etwa dem Bodenfallenstandort 2 aus der Erfassung von 2014 entsprach und die andere Bodenfalle auf einer Brache im Südwesten des Grundstücks, d.h. am Bodenfallenstandort 4 aus dem Jahr 2014. Am Ende der Fangsaison 2017 sind 396 Käferarten nachgewiesen worden, darunter etwa 70 Arten, die in den vier vorhergehenden Jahren noch nicht gefunden wurden. Damit erhöht sich die Gesamtartenzahl, die innerhalb von 5 Jahren auf dem 1000 qm großen Gartengrundstück nachgewiesen werden konnten auf 870 Käferarten! ... (siehe auch: Beitrag „Was kräucht und fleucht um Haus und Hof – Teil 5“) (die Erhöhung um 10 Arten gegenüber dem Beitrag ist dadurch zu erklären, dass sich im Nachhinein nach der Überprüfung durch Spezialisten doch neue Arten hinzugezählt werden können)… Natürlich wurde auch im Jahr 2018 die „Haus- und Hoffauna“ wieder relativ akribisch dokumentiert. Fallenfänge sind zwar keine mehr durchgeführt worden. Dafür hat sich die Zahl der Lichtfänge erhöht, weil es wegen des extrem trocken-warmen und lange anhaltenden Sommers von April bis Oktober ausreichend Gelegenheit gab, bei entsprechend hohen Nachttemperaturen von über 20 °C zu leuchten. Bei diesen hohen Temperaturen nach Sonnenuntergang sind viele dämmerungs- und nachtaktive Käferarten besonders flugaktiv. Auf Grund der Lockwirkung durch eine 250 Watt sowie eine 125 Watt Mischlichtlampe, die auf der Terrasse installiert wurden, stammt natürlich ein großer Teil der Käfer, die ans weiße Laken flogen, nicht direkt vom Grundstück, sondern aus der näheren Umgebung des Dorfs. Im Jahr 2018 konnten wieder über 400 Käferarten registriert werden, wobei mehr als 1.700 Individuen erfasst wurden. Überraschend war, dass, wie schon ein Jahr zuvor, eine ähnlich hohe Zahl von ca. 80 „neuen“ Arten nachgewiesen werden konnte, d.h. sie wurden in den 5 Jahren zuvor nicht gefunden. … Viele Neunachweise im Jahr 2018 gelangen mit Hilfe der Lichtfänge.

Da im Jahr 2019 weitere 43 „neue“ Arten nachgewiesen wurden, erhöht sich damit die Gesamtartenzahl auf 1004. Somit ist nach 7 Jahren ziemlich intensiver „Biodiversitätsforschung vor der Haustür“ auf dem heimischen 1000 Quadratmeter großen Grundstück die 1000-Arten-Marke geknackt worden.

Im Jahr 2020 wurden wieder etwas mehr „neue“ Arten (54) nachgewiesen, als im Jahr zuvor. Die Gesamtartenzahl nach 8-jähriger Erfassung im 1000 Quadratmeter großen Grundstück liegt Ende 2020 bei etwa 1060.

Auch im Jahr 2021 wurden wiederum etwas mehr „neue“ Arten (60) gefunden, als im Jahr zuvor, was u.a. auch erfassungsmethodisch bedingt ist, weil, wie 2014 Bodenfallenfänge durchgeführt worden sind. Die Gesamtartenzahl nach 9-jähriger Erfassung im 1000 Quadratmeter großen Grundstück liegt Ende 2020 bei etwa 1120.

Im Jahr 2022 ist die kontinuierliche Erforschung der Käferfauna des Gartengrundstücks weiter fortgesetzt worden, wobei diesmal der Lufteklektorfang am toten Bergahorn-Hochstubben als kontinuierliche Fangmethode wiederholt wurde, wie er auch schon 2014 erfolgt ist. Zudem fanden wieder 4 Lichtfänge (Mai, Juni, Juli, August) und mehrere Gesiebe- bzw. Klopfschalen- und Streifsackfänge statt sowie sonstige Aufsammlungen und Beobachtungen. Als neue Erfassungsmethode kam eine selbst gebaute Berlese-Apparatur zum Einsatz. Bezogen auf die Jahresfangsummen kam 2022 das dritthöchste Ergebnis zusammen. 451 Käferarten konnten nachgewiesen werden, wobei über 1.900 Individuen beobachtet bzw. erfasst und bestimmt wurden. Somit erhöht sich die Gesamtartenzahl im 1000 Quadratmeter großen Grundstück nach 10-jähriger Erfassung auf 1.182 Käferarten.

Auch im Jahr 2023 sind die Erfassungen in ähnlichem Umfang wie in den Vorjahren fortgesetzt worden, wobei insgesamt 358 Käferarten gefunden werden konnten, darunter 29 „neue“ Arten, sodass die 1.200-Arten-Marke überschritten wurde.

Wie gehabt wurden auch im Jahr 2024 wieder mit den gebräuchlichen Fangmethoden die Käferfauna des Grundstücks erfasst. Es sind 307 Käferarten nachgewiesen worden und damit die niedrigste Anzahl seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2013. Immerhin wurden 25 „neue“ Arten gefunden, das heißt, sie waren in den vorhergehenden 11 Jahren noch nicht dabei. Die Gesamtartenzahl der auf dem Grundstück gefundenen Käferarten erhöht sich damit auf 1.236 Arten.

Auch 2025 ging die relativ akribische Erforschung der Käferfauna eines Gartengrundstücks weiter, mit den auch schon in den Vorjahren angewandten Erfassungsmethoden: Klopfschale, Streifsack und Lichtfang. Es konnten 349 Käferarten nachgewiesen werden (Abb. 39_01). Der Zuwachs an „neuen“ Arten lag wie im Vorjahr bei 25, was dem erwarteten Trend zur Artensättigung etwas widerspricht, weil es ja eigentlich einen Rückgang geben müsste (Abb. 39_02).

Abb_30_01_Artenakkumulation_2013bis2025

Abb. 39-01: Gesamtübersicht zu den ermittelten jährlichen Artenzahlen (es gibt geringfügige Abweichungen bei den Werten gegenüber den vorjährigen Diagrammen, weil vormals unsichere Bestimmungen durch Spezialisten geklärt werden konnten).

Abb_30_02_Trendlinie_2013bis2025

Abb. 39-02: Trendlinie zur Artenakkumulation

Zu einigen der faunistisch interessanten „Neufunden“ gibt es nachfolgend ein paar Erläuterungen:

Galeruca pomonae (Scopoli, 1783)

Der Karden-Blattkäfer kann als eine faunistische Besonderheit im Jahr 2025 angesehen werden (Abb. 39-03). Am 20.7.2025 wurde ein Exemplar beim Lichtfang erfasst, aber nicht direkt auf dem beleuchteten weißen Tuch auf der Terrasse, sondern daneben im Gras. Von der Art gibt es bisher erst wenige Fundmeldungen aus Sachsen, vor allem aus Nordwestsachsen bzw. dem Leipziger Raum. M. Happ hat im September 2018 Galeruca pomonae am Cospudener See bei Markkleeberg fotografiert (Quelle: www.insekten- sachsen.de), was wahrscheinlich als Erstnachweis für Sachsen bezeichnet werden kann. Höchstwahrscheinlich profitiert die wärme- und trockenheitsliebende Art von der Klimaerwärmung und breitet sich aus Südwesten kommend weiter nach Nordosten aus. Im selben Jahr 2025 wurden auch Funde aus Dresden bekannt (mündl. Mitteilung von R. Gutzeit). Die Art ernährt sich nach Rheinheimer & Hassler (2018) polyphag von verschiedenen Kräutern und Stauden, wie Wiesensalbei, Kratzdistel, Flockenblume oder eben Karde.

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Abb. 39-03: Vom Karden-Blattkäfer Galeruca pomonae gibt es erst wenige Fundmeldungen aus Sachsen (www.coleoweb.de).

Latheticus oryzae Waterhouse, 1880

Zwei Exemplare vom Rundköpfigen Reismehlkäfer wurde beim Lichtfang am 14.8.2025 auf die Terrasse gelockt. Weitere eigene Funde stammen von 2020 aus dem Waldgebiet „Großholz“ bei Leuben-Schleinitz (im Lufteklektor) und von 2023 aus der Nationalpark Sächsische Schweiz bei Hinterhermsdorf (per Lichtfang) sowie von 2024 aus dem NSG „Prießnitz“ bei Frohburg (im Lufteklektor; leg. et det. A. Weigel). Laut www.coleoweb.de bzw. Hornig (2020) gibt es aus Sachsen bisher noch zwei weitere Fundmeldungen aus der östlichen Oberlausitz (Abb. 39_04). Der ursprünglich aus Südostasien stammende sogenannte Vorratsschädling soll an Reis und Getreideprodukten fressen. Da er hohe Temperaturen und Luftfeuchte zur Entwicklung und Reproduktion benötigt, dürfte er sich eventuell nur in den Sommermonaten etablieren, aber nicht dauerhaft. Allerdings gibt es eine permanente Einschleppung durch sicherlich fragwürdige oder auch vielfach überflüssige Importe aus aller Welt.

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Abb. 39-04: Die Reismehlkäferart Latheticus oryzae wurde erst wenige Male in Sachsen gefunden (www.coleoweb.de)

Bledius spectabilis Kraatz, 1857

Der Prächtige Salzkäfer wurde beim Lichtfang am 31.5.2025 zum zweiten Mal in Sachsen nachgewiesen. Im Jahr 2022 gelang der Erstnachweis für die Käferfauna Sachsens in Westsachsen im NSG „Eschefelder Teiche“ bei Frohburg (Lorenz & Jäger 2023). Diese Kurzflüglerart kommt vor allem an den Küsten von Nord- und Ostsee vor, aber auch an Binnensalzstellen (Abb. 39_05). Möglicherweise breitet sich die salzliebende Art entlang von Autobahnen und Fernverkehrsstraßen aus, wo im Winter besonders viel Tausalz zum Einsatz kommen und an Straßenböschungen eventuell ähnliche salzige Bedingungen herrschen, wie am Ostseestrand?

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Abb. 39-05: Der Kurzflügler Bledius spectabilis wurde in Sachsen erst das zweite Mal nachgewiesen (www.coleoweb.de).

Agriotes acuminatus (Stephens, 1830)

Ein Exemplar dieser bisher in Sachsen noch relativ seltenen Schnellkäferart wurde am 28.4.2025 mit Hilfe der Klopfschale von der Vegetation geklopft (Abb. 39_06). Bis vor wenigen Jahren gab es nur vereinzelte Funde in Westsachsen. Mittlerweile wurde sie auch in der Sächsischen Schweiz und der Oberlausitz nachgewiesen. Auf Grund der Ähnlichkeit mit der bei uns sehr häufigen Dalopius marginatus ist die Art eventuell auch übersehen bzw. nicht erkannt worden?

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Abb. 39-06: Die Fundmeldungen von der offenbar in Ausbreitung befindlichen Schnellkäferart Agriotes acuminatus nehmen erst seit wenigen Jahren in Sachsen zu (nach www.colkat.de).

Lixus pulverulentus (Scopoli, 1783)

Ein Exemplar vom Welligen Stengelrüssler wurde Mitte Juni 2025 auf der Terrasse gefunden. Die Larven entwickeln sich in den Stängeln verschiedener krautiger Pflanzen, wie beispielsweise Disteln und Malve. Bisher gibt es erst wenige Fundmeldungen von dieser allgemein recht seltenen Rüsselkäferart in Sachsen (Abb. 39_07).

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Abb. 39-07: Der seltene Stengelrüssler Lixus pulverulentus wurde erst wenige Male in Sachsen gefunden (www.coleoweb.de).

Polistichus connexus (Geoffroy, 1785)

Beim Lichtfang am 14.8.2025 konnte ein Exemplar vom „Natterläufer“ angelockt werden. Im Jahr 2006 gelang mir der Erstnachweis für die Käferfauna Sachsens (Lorenz 2007). In den vergangenen Jahren häufen sich die Fundmeldungen von dieser Laufkäferart (Abb. 39_08), die sich aus dem südlichen Mitteleuropa kommend weiter nach Nordosten ausbreitet, wahrscheinlich überwiegend in warmen Nächten fliegend, weil die meisten Funde beim Lichtfang erfolgt sind.

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Abb. 39-08: Der Laufkäfer Polistichus connexus scheint in Sachsen häufiger zu werden (www.coleoweb.de).

Agrilus cyanescens (Ratzeburg, 1837)

Der Nachweis eines Exemplars des Heckenkirschen-Prachtkäfers gelang Mitte Mai 2025 per Handfang. Die Art entwickelt sich nach Niehuis (2004) beispielsweise in Geißblatt = Heckenkirsche (Lonicera ssp.) und Kreuzdorn (Rhamnus ssp.) sowie im berühmt-berüchtigten „Knallerbsenstrauch“ bzw. der Schneebeere (Symphoricarpos racemosus). Zumindest irgendein Kreuzdorn wächst auch an der Grundstücksgrenze.

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Abb. 39-09: Vom Heckenkirschenprachtkäfer Agrilus cyanescens gibt es bisher in Sachsen erst wenige Fundmeldungen, wenngleich er bei gezielter Nachsuche an den Fraßpflanzen wohl überall gefunden werden kann.

Dryops luridus (Erichson, 1847)

Die relativ häufige Hakenkäferart Dryops luridus kommt unspezifisch an Uferbereiche unterschiedlichster Gewässertypen vor und wurde eher zufällig ans Licht gelockt. Alle Vertreter der Gattung Dryops sind nicht besonders lichtaffin, d.h. sie gehören nicht zu den regelmäßig am Licht nachweisbaren Käferarten. Zusammen mit dem Schwimmkäfer Ilybius quadriguttatus konnte im Jahr 2025 damit die 52. aquatische Käferart auf dem Grundstück gefunden werden.

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Abb. 39-10: Die relativ häufige Hakenkäferart Dryops luridus ist die 52.aquatische Käferart, die auf dem Grundstück gefunden wurde.

Dorcus parallelepipedus (Linnaeus, 1758)

Den Balkenschröter Dorcus parallelepipedus kann man als den kleineren Verwandten des Hirschkäfers (Lucanus cervus) bezeichnen. Die Larven entwickeln sich im morschen, feuchten Holz verschiedener Laubbäume. Obwohl es von dieser auch als Zwerghirschkäfer genannten Art deutschlandweit sehr viele Fundmeldungen gibt, sind laut dem online-Portal: www.coleoweb.de auch größere „balkenschröterfreie“ Gebiete zu sehen, zu denen u.a. auch Mittel- und Südwestsachsen gehört.

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Abb. 39-11 Die häufige Balkenschröter Dorcus parallelepipedus ist in Mittelsachsen bisher eher selten gefunden worden.

Scolytus pygmaeus (Fabricius, 1787)

Ein Exemplar vom Zwergsplintkäfer Scolytus pygmaeus (Abb. 39-12) wurde beim Lichtfang Mitte August 2025 erstmals auf dem Grundstück nachgewiesen. Diese ziemlich seltene Borkenkäferart entwickelt sich in Ulme. Die bisherigen eigenen Funde aus Sachsen stammen von 2015 vom Elbufer bei Kreinitz OT Cottewitz (nordwestlich von Riesa) und von 2020 aus dem Oberlausitzer Örtchen Pannewitz (Lufteklektor). Es ist damit die 40. Borkenkäferart, die auf dem Grundstück gefunden wurde. Das entspricht knapp der Hälfte aller aktuell in Sachsen nachgewiesenen Borkenkäferarten.

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Abb. 39-12: Vom seltenen Zwergsplintkäfer Scolytus pygmaeus gibt es nur wenige Fundmeldungen in Sachsen. Fast die Hälfte aller in Sachsen aktuell vorkommenden Borkenkäferarten sind nunmehr auf dem Grundstück gefunden worden.

Zusammenfassung nach 13 Jahren:

Die Gesamtzahl, die auf dem 1.000 Quadratmeter großen Grundstück nachgewiesen werden konnte, beläuft sich nach 13 Jahren Erfassung auf 1.261 Käferarten. Es gibt geringfügige Abweichungen gegenüber den in den Vorjahren genannten Gesamtartenzahlen, weil es weitere Rückmeldungen von Spezialisten gab, die taxonomisch schwierige Arten (-gruppen) nachbestimmt haben. Bis auf wenige Ausnahmen konnte damit der Artstatus geklärt werden. Im Jahr 2022 ist die aktualisierte Fassung der sogenannten bundesdeutschen Roten Liste der Käfer publiziert worden, die damals seit 10 Jahren angekündigt war und wahrscheinlich wegen administrativer, bürokratischer oder sonstiger, sicherlich auch finanzieller Unwägbarkeiten verspätet veröffentlicht wurde. Eigentlich ist es aber eher eine westdeutsche Rote Liste, weil kaum ein ostdeutscher Koleopterologe daran beteiligt wurde und deren regionalfaunistischen Kenntnisse, die etwa ein Drittel der Landesfläche betreffen, keine Berücksichtigung fanden. Auf Grund anderer Kriterien (Ludwig et al. 2006), die bei der alten Roten Liste von 1998 noch nicht angewandt wurden und sich an internationale Prämissen anlehnen (Iucn 2000, 2001), besitzen viele Arten nun keinen Gefährdungsstatus nach den Kategorien „1“ (= vom Aussterben bedroht), „2“ (= stark gefährdet) und „3“ (= gefährdet) mehr, obwohl sich die Bestandessituation in den meisten Fällen nicht gerade verbessert haben dürfte. Vielfach wurde auch wegen fehlender Daten (oder eher unzureichend durchgeführter Datenrecherche?) kein Gefährdungsgrad vergeben, sondern bezogen auf die hier erfassten Arten bei 28 Fällen ein „D“ (= Daten unzureichend aber Gefährdung möglich) oder für 50 Fälle ein „V“ (= Vorwarnliste). Daraus ergibt sich folgende „neue“ Gefährdungseinstufung für die auf dem Grundstück gefundenen Käferarten:

  • 3x „vom Aussterben bedroht“: Ophonus diffinis, Synchita mediolanensis, Synchita separanda
  • 13x „stark gefährdet“: Tachys fulvicollis, Harpalus melancholicus, Acupalpus brunnipes, Dolichus halensis, Polistichus connexus, Mycetophagus fulvicollis, Meloe rugosus, Corticeus fasciatus, Neatus picipes, Osmoderma eremita, Longitarsus curtus, Bruchidius seminarius, Tanysphyrus ater
  • 38x „gefährdet“: Harpalus tenebrosus, Harpalus serripes, Stenolophus skrimshiranus, Chlaenius tristis, Badister mediolanensis, Badister peltatus, Bledius procerulus, Bledius spectabilis, Trichodes alvearius, Ampedus nigroflavus, Brachygonus megerlei, Eucnemis capucina, Drapetes mordelloides, Attagenus punctatus, Corticaria saginata, Corticaria obscura, Colydium elongatum, Aulonium trisulcum, Oligomerus brunneus, Priobium carpini, Dorcatoma minor, Dorcatoma robusta, Euglenes pygmaeus, Euglenes oculatus, Meloe proscarabaeus, Hallomenus axillaris, Allecula morio, Pseudocistela ceramboides, Bolitophagus reticulatus, , Pentaphyllus testaceus, Corticeus bicolor, Uloma culinaris, Cerambyx scopolii, Lema cyanella, Longitarsus pellucidus, Ceratapion penetrans, Omiamima mollina, Lixus punctiventris
  • 4x „R“ = extrem selten: Trogoderma versicolora, Axinopalpis gracilis, Lymantor aceris, Orchestes subfasciatus
  • 7x „G“ = Gefährdung unbekannten Ausmaßes: Tachyusa objecta, Prionocyphon serricornis, Lamiogethes persicus, Olibrus bicolor, Mycetophagus salicis, Sulcacis bidentulus, Lyctus pubescens, Rhynchites bacchus

Nach dieser „neuen“ bundesdeutschen Roten Liste sind im Garten bisher 75 unterschiedlich gefährdete Arten gefunden worden. Hierbei wird davon ausgegangen, dass auf Grund der intensiven und meist in Bezug auf die Natur rücksichtlosen Landnutzung Arten die „extrem selten“ sind, mit großer Wahrscheinlichkeit auch gefährdet sind. Eine ähnlich hohe Zahl an Rote- Liste- Arten konnte ich im Rahmen meiner Dissertation bei den dreijährigen Untersuchungen in der nördlich von Dresden gelegenen Kleinkuppenlandschaft nachweisen. Allerdings umfasst das dortige Untersuchungsgebiet 5 km² (Lorenz 1999) und es wurde nur 3 Jahre lang erfasst. Auch bei einer recht umfangreichen, 3jährigen Erfassung der vorwiegend xylobionten Käferfauna im ca. 150 ha große NSG „Seußlitzgrund“ einschließlich Blatterslebener Grund wurden 65 Rote-Liste-Arten registriert (siehe auch 19. Beitrag in diesem Blog Lorenz vom Dezember 2020). Bei einer dreijährigen Käfererfassung im über 7.000 ha großen NSG „Königsbrücker Heide“ wurden 109 Rote-Liste-Arten nachgewiesen (siehe auch 30. und 35. sowie 40. Beitrag in diesem Blog).

Auf dem Grundstück wurden bisher 54 Arten gefunden, die laut Bundesartenschutzverordnung als „besonders geschützt“ gelten, namentlich: die zwei Sandlaufkäferarten Cicindela campestris und Cicindela hybrida, die drei Carabus-Arten: Carabus coriaceus, C. convexus, C. nemoralis, der „Bienenwolf“ Trichodes alvearius, 35 Bockkäferarten, die fünf Prachtkäferarten Anthaxia nitidula, Agrilus derasofasciatus, Agrilus cuprescens, Agrilus cyanescens, Trachys scrobiculata sowie der Ölkäfer Meloe proscarabaeus, die Rosenkäfer-/ Goldkäferarten Cetonia aurata, Protaetia cuprea metallica, Protaetia marmorata, der Nashornkäfer Oryctes nasicornis, der Kopfhornschröter Sinodendron cylindricum, der Balkenschröter Dorcus parallelepipedus und eine Art als „streng geschützt“: der Ölkäfer Meloe rugosus.

Nach Müller et al. (2005) sind vier „Urwald-Reliktarten“ auf dem Grundstück nachgewiesen worden: Synchita separanda, Neatus picipes, Corticeus fasciatus, Osmoderma eremita, von denen sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch alle vier auf dem Grundstück entwickeln, namentlich am/im Berg-Ahorn-Hochstubben. Der Juchtenkäfer oder Eremit (Osmoderma eremita) gilt laut des europäischen Schutzgebietssystems NATURA 2000 bzw. der FFH-Richtlinie der EU als „prioritäre Art“ des Anhanges II (Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen) und um eine Art des Anhanges IV (Streng zu schützende Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse) und hat damit europaweit den höchsten Schutzstatus.

Fazit:

Am Fazit vom letztjährigen (Zwölften) Beitrag zur Coleopterenfauna im eigenen Garten“ und die dort erwähnten Anmerkungen hat sich auch diesmal nichts geändert: Diese Artenvielfalt auf kleinstem Raum ist überraschend und hängt sicherlich nicht nur mit meiner intensiven Erfassungstätigkeit zusammen, sondern einerseits mit der noch vorhandenen und aktiv geförderten Strukturvielfalt auf dem Grundstück, wo sich die Natur in begrenztem Rahmen entfalten kann bzw. zugelassen wird (Belassen von Stehend-Totholz, alternierende Sensenmahd, Heuhaufen, Natursteinmauern, Ansiedlung und Förderung heimischer Pflanzenarten, extensive Gartenbewirtschaftung, Verzicht auf Pestizide usw.) und andererseits mit der stellenweise noch relativ strukturreichen, näheren Umgebung (alte Streuobstwiesen mit extensiver Beweidung, Gehölz mit alten Laubbäumen, „verwilderte“ bzw. ungenutzte Restflächen) - abgesehen von einigen völlig naturentfremdeten, sterilen, nahezu komplett verbauten Grundstücken, wo alles platt gemacht wird, was auch nur ansatzweise nach heimischer Natur aussieht und die industriell bewirtschafteten und damit intensiv gedüngten und begifteten, naturfernen Ackerflächen, die wesentlich zum ökologischen Supergau auf einem Großteil unseres Landes beitragen.

Zusammenfassendes Statement:

Es soll nicht als Widerspruch zum überall festzustellenden Artenschwund und dem Verlust an Biodiversität auf Grund der anthropogen verursachten negativen Veränderungen der Landschaft fehlgedeutet werden, wenn es hier auf lokaler Ebene offenbar noch ein Refugium der Artenvielfalt gibt und das nicht mal in einem Schutzgebiet, sondern in einem fast „durchschnittlichen“ Dorf. Gibt es noch Grund zur Hoffnung, um etwas pathetisch zu fragen? Gibt es gar keinen Artenschwund, sondern nur Panikmache von grünen Spinnern? Wird einfach zu wenig untersucht? Kann sich noch jemand bewusst daran erinnern, wie die Landschaft im Allgemeinen und die Ackersäume und Grundstücke im Speziellen vor 50 Jahren ausgesehen haben? Es gab damals weder Glyphosat noch Laubbläser, Mähroboter oder Steine hinter Gittern. Hängt der Verlust an Artenvielfalt mit der geistigen Einfalt der Leute zusammen? Es scheint, als gäbe es immer mehr Deppen (getreu dem Song von Reinhard Mey: „Irgendein Depp mäht irgendwo immer“), die vorm Haus eher Betonwüsten bevorzugen, mit flächenhaften Steinschüttungen, wo mittendrin eine fremdländische Zombie-Konifere ihr jämmerlichen Dasein fristet und hinterm Haus ein 9-Millimeter-Psychopaten-Kurzrasen vorherrscht (wobei immer mehr Mähroboter zum Einsatz kommen, die permanent jedes Grashälmchen kurzhalten, die der schmerbäuchige Besitzer in Ruhe von der Liege aus mit dem Smartphone überwacht) und an der Grundstücksgrenze ein steriler Kirschlorbeer oder doch besser eine Betonmauer oder „Steinchen hinter Gittern“ Sichtschutz bieten… wo man sich fragt, welche Auswüchse diese totale Naturentfremdung noch auf Lager hat! Andererseits scheint es aber auch immer mehr „empathische“ Leute zu geben, von denen man es gar nicht erwartet, und die haben recht vernünftige Einstellungen gegenüber Natur und deren Förderung und Schutz, auch vor der eigenen Haustür, und dass man auch im Kleinen, das heißt im eigenen Garten der Artenvielfalt eine Chance geben kann/sollte/müsste...

Literatur
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  • Geiser, R. (1998): Rote Liste der Käfer (Coleoptera) Deutschlands - Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz, Heft 55: 168-230.

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