Anfang des 20. Jahrhunderts wurden ca. 7.800 ha des vormals recht dünn besiedelten Gebiets der Königsbrücker Heide zum Truppenübungsplatz erklärt. In der ertragarmen Gegend mit vorwiegend sandigen Böden sind sieben Dörfer „geschliffen“ worden, und bis Anfang der 1990er Jahre diente es als militärisches Schieß-, Übungs- und Ausbildungsgelände (SMUL 2008). Im Sperrgebiet gab es durch die militärischen Aktivitäten große offene Heideflächen und wenig Wald. Die Vegetation wurde quasi in einem frühen Sukzessionsstadium gehalten. Dennoch sind auch Bereiche mit einer relativ geringen anthropogen beeinflussten Naturentwicklung erhalten geblieben. Beispielsweise konnten die zwei größeren Fließgewässer Pulsnitz und Otterbach einschließlich ihrer Zuflüsse ohne Begradigungen und Uferverbau oder Nährstoffeinträge durch Überdüngung landwirtschaftlicher Flächen und Erosion ungestört und relativ naturnah durchs Gebiet fließen. Weil keine land- und forstwirtschaftliche (Über-)Nutzung wie in der „Normallandschaft“ stattfand, hielten sich auch die negativen Auswirkungen auf die Natur in Grenzen. In den vergangenen 30 Jahren bzw. seit der Unterschutzstellung war es nicht möglich, die Käferfauna der Königsbrücker Heide zu erforschen, weil es augenscheinlich persönliche und administrative Animositäten gab sowie wahrscheinlich auch teilweise vorgeschobene Bedenken wegen der angeblich flächendeckenden Munitionsbelastung und damit ein striktes Betretungsverbot. Dem widerspricht die Tatsache, dass Studenten der Hochschule Bernburg dort mehrere Jahre beispielsweise faunistische Erfassungen zur Laufkäferfauna durchführen durften. Seit kurzem wurde es mit freundlicher Unterstützung des neuen Mitarbeiters Herrn Dr. Torsten Bittner jedoch möglich, unter strengen Auflagen und quasi unter Beaufsichtigung durch ortskundige Angestellte von Sachsenforst in ausgewählten Gebieten eine fachlich fundierte faunistische Erforschung auf freizeitentomologischer Basis zu beginnen. Erste Ergebnisse über die wasserbewohnende Käferfauna sind bereits publiziert worden (Jäger 2024). Nachdem im 30. Beitrag die 2023er Fänge ausgewertet wurden, sollen hier nun weitere Ergebnisse der überwiegend eigenen Erfassungen aus dem Untersuchungsjahr 2024 vorgestellt werden, wobei v.a. die nichtaquatische Käferfauna betrachtet wird, die sich auf mehrere Untersuchungsflächen in der südlichen Hälfte der Königsbrücker Heide beschränken.
Um wiederum ein möglichst breites Spektrum der tatsächlich vorhandenen nichtaquatischen Käferarten des Gebiets nachweisen zu können, kamen ähnlich wie 2023 mehrere Fangmethoden zum Einsatz, z.B. Fensterkreuzfallen (Abb. 35_01) und Lichtfang (Abb. 35_02, 03 und 04) sowie Handfänge mit Streifsack und einer speziellen Klopfschale (Abb. 35_05). Folgende Begehungstermin fanden 2024 statt:
Von April bis Oktober 2024 sind drei sogenannte Lufteklektoren (Kreuzfensterfallen) installiert worden. Hierbei handelt es sich um Plexiglaskonstruktionen mit 50 cm Höhe und 25 cm Breite, die in Baumkronen gehängt wurden und etwa alle 4 Wochen geleert wurden.
Alle Arten, die zweifelsfrei im Gelände identifiziert werden konnten, wurden notiert und wieder freigelassen. Das Fangmaterial aus den Fallen wurde im Labor mit Hilfe einer Lupenlampe und eines Stereomikroskops ausgelesen, wobei alle Käfer separiert und in 70%igem Alkohol konserviert wurden. Zusätzlich wurden alles Wildbienen und Grabwespen, Raubfliegen sowie Wanzen und Zikaden, die zufällig in die Fallen geraten sind, extra ausgelesen und ebenfalls in 70%igem Alkohol konserviert, um sie den Hymenopteren-Experten Dr. Andreas Scholz und Wolf-Harald Liebig und weiteren Spezialisten, wie Tommy Kästner aus Dresden sowie Michael Münch aus Chemnitz und Frau Dr. Sabine Walter aus Kurort Hartha zur Verfügung zu stellen.

Abb. 35-01: Beispiel für eine Fensterkreuzfalle an einer abgestorbenen Birke in der Tännichtbachaue.

Abb. 35-02: Ronny Gutzeit, Olaf Jäger und der Autor (v. li. n. re.) beim „klassischen“ Lichtfang mit weißem Tuch, wo eine 250 W Mischlichtlampe installiert war.
Abb. 35-03: Als zweite Lichtfangmethode kam ein sogenannter Leuchtturm zum Einsatz, der möglichst abseits von obiger Lichtquelle aber dennoch in der Nähe aufgebaut wurde. Als Lichtquelle dienen zwei akkubetriebene Leuchtstoffröhren, (15 W Schwarzlicht + 15 W superaktinisch).
Abb. 35-04: Zusätzlich wurde eine mit „Ento-LED“ bestückte Fensterkreuzfalle installiert, die während des Lichtfanges, d.h. für ca. 3 bis 4 Stunden in die Krone eines Baumes gehängt wurde. Es kam eine powerbankbetriebene LED-Einheit (1,1 W „LepiLED“) zum Einsatz.
Abb. 35-05: „Klopfschale“ aus Kunststoff, mit dem man u.a. auch verpilztes Holz, Rinde und Äste abkehren kann, um die dort verborgenen, meist winzig kleinen Käfer zu erfassen, die man auf der hellen Fläche besser sieht.
Insgesamt konnten 706 Käferarten nachgewiesen werden, von denen 32 Arten laut Bundesartenschutzverordnung als „gesetzlich besonders geschützt“ gelten (siehe Tab. 1, Spalte: „BAV“). 92 Arten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten Deutschlands (die jedoch eigentlich, wenn überhaupt, nur eine westdeutsche Rote Liste ist, weil die meisten aktiven ostdeutschen Entomologen nicht einbezogen wurden und damit deren fundierte faunistische Kenntnisse keine Berücksichtigung fanden), darunter folgende Einstufungen:
Nach Schmidl & Bussler (2004) gelten 22 Arten als sogenannte „Indikatorarten“, d.h. sie besitzen eine große ökologische und bioindikatorische Relevanz und unterstreichen den hohen naturschutzfachlichen Wert der Alt- und Totholzstrukturen im Gebiet (Tab. 1, Spalte „IA“). Darunter befinden sich 3 sogenannte Urwald-Reliktarten (Müller et al. 2005, Eckelt et al. 2017), wobei Mycetophagus decempunctatus in beiden Listen zu finden ist sowie Pycnomerus terebrans und Prionychus melanarius in der zuerst genannten Liste. Alle Rote-Liste-Arten (sogenannte bundesdeutsche als auch diverse sächsische, die es nur für wenige Käfergruppen gibt), gesetzlich geschützten Arten sowie sonstige faunistische Besonderheiten (subjektive Einschätzung des Autors auf Grundlage einer 45jährigen entomofaunistischen Tätigkeit in Sachsen) sind in Tabelle 1 aufgelistet. Mehrere Arten aus den 2024er Erfassungen sind faunistische Besonderheiten, weil sie erst wenige Male in Sachsens bzw. der Oberlausitz gefunden werden konnten: Für die gut durchforschte Oberlausitz können nach bisherigem Kenntnisstand (siehe: die Bände 1-3 der „Oberlausitzfauna“: Klausnitzer et al. 2009, Vogel 2013, Klausnitzer et al. 2018) und nach Fundmeldungen im online-Portal „www.coleoweb.de“ folgende Käferarten als faunistische Besonderheiten hervorgehoben werden:
Die nachfolgenden Fundmeldungskarten stammen aus dem überwiegend ehrenamtlich betriebenen Portal „www.coleoweb.de“. Für das Mitteilen und aktualisieren von Funddaten gibt es für jedes Bundesland mindestens einen Verantwortlichen. Dieser ist auf die Übermittlung von Funddaten der aktiven Entomologen angewiesen und benötigt entsprechende Freizeit, um unentgeltlich den Datenbestand einzupflegen. Da dies nicht immer sofort erfolgt, sind auch die Fundpunktkarten nicht immer auf dem aktuellen Stand. Sie spiegeln aber in den meisten Fällen recht gut die Verbreitungssituation wider. Die Diskrepanz bezüglich Aktualisierungen ist aus den Abbildungen manchmal ersichtlich, wenn beispielsweise noch keine blauen Quadrate zu sehen sind, hier aber die 2024er Neu- bzw. Wiederfunde für die sächsische bzw. oberlausitzer Käferfauna mitgeteilt werden. Der für Sachsen zuständige Bearbeiter, Herr Uwe Hornig, wird über die faunistischen Neuheiten zeitnah informiert.
Abb. 30-06: Ein Exemplar der seltenen Kurzflüglerkäferart Leptura norvegica wurde im Oktober 2024 im Lufteklektor gefangen, der an der Weide am Pulsnitzufer in der Nähe der ehemaligen Panzerkettenbrücke im zentralen südlichen Teil der Königsbrücker Heide hing. Es ist ein Erstnachweis für die Käferfauna der Oberlausitz. Nach Vogel (2010) stammt der Erstnachweis für Sachsen von Mai 1986 aus Bodenfallen aus dem Osterzgebirge bei Bärenstein (leg. G. Förster & J. Lorenz; det. J. Vogel). Der zweite Fund gelang am 8.3.2004 in Chemnitz (Zeisigwald) (leg. R. Peschel; det. J. Vogel). Im Jahr 2023 wurde die Art dann mehrfach in der Sächsischen Schweiz nachgewiesen, namentlich im Mai und Oktober auf einer Waldbrandfläche westlich der Richterschlüchte mittels Handfang (leg. J. Lorenz & R. Gutzeit; det. et coll. J. Lorenz; vid. J. Vogel). Auch in den Jahren 2024 und 2025 konnte Leptusa norvegica wieder in der Sächsischen Schweiz gefunden werden (leg. J. Lorenz & R. Gutzeit; det. et coll. J. Lorenz).
Abb. 30-07: Ein Exemplar des Kammkäfers Isorhipis melasoides wurde im Mai/Juni 2024 im Süden der Königsbrücker Heide (Sumpfwald Nähe Dürrwiesengraben) mit Hilfe eines Lufteklektors erfasst, der an einer frisch abgestorbenen Erle hing. Es ist ein Erstnachweis für die Käferfauna der Oberlausitz. Bisher lagen nur wenige aktuelle Fundmeldungen aus Sachsen vor, beispielsweise vom Juni 2004 aus Zabeltitz (leg., det. et coll. U. Lehmann) sowie Juni/Juli 2011 aus Dresden (Lufteklektoren in Linden-Totholz-Lagerplätzen) und Mai 2017 in Lufteklektor an Linde im NSG „Seußlitzgrund“ und Juni – September 2025 in Lufteklektoren an Buche im NSG „Lauske“ bei Weißenberg (alle leg., det. et coll. J. Lorenz). Außerdem gibt es eine Fundmeldung vom Juni 2024 von H. Otto aus dem nordwestsächsischen Waldgebiet „Hardt“ bei Belgershain.
Abb. 30-08: Ein Exemplar der Raubplattkäferart Silvanus recticollis wurde Anfang September 2024 beim Lichtfang bzw. in dem mit einer Ento-LED bestückten Lufteklektor gefangen, der 3 h während des Lichtfangs „leuchtend“ in einem Baum hing. Es ist ein Erstnachweis für die Käferfauna der Oberlausitz. Der Erstnachweis für Sachsen stammt vom Juni 2019 von einem Lichtfang am Elbufer in Dresden-Stetzsch. Mitte August 2023 wurde die Art ebenfalls per Lichtfang in Coswig zwischen Meißen und Dresden nachgewiesen (alle leg., det. et coll. J. Lorenz) (siehe auch Hornig 2020). Silvanus recticollis ist ein afro-orientalisches Faunenelement, dass offensichtlich durch Verschleppung 2009 erstmals in Deutschland gefunden wurde und sich eventuell invasiv auszubreiten scheint (siehe auch Kopetz & Weigel 2015).
Abb. 30-09: Der Nachweise von einem Exemplar des Algenfarn-Rüsselkäfers Stenopelmus rufinasus gelang Anfang August 2024 in der Pulsnitzaue im südlichen Teil der Königsbrücker Heide per Lichtfang. Es ist ein Erstnachweis für die Käferfauna der Oberlausitz. Nach Hornig (2022) wurde die Art erstmals für Sachsen im Jahr 2012 von Th. Wolsch nachgewiesen - per Lichtfang in einer Kiesgrube bei Leipzig.
Abb. 30-10: Anfang August 2024 konnte ein Exemplar des Gelbbeinigen Kleinen Kolbenwasserkäfers Hydrochara flavipes per Lichtfang in der Pulsnitzaue im südlichen Teil der Königsbrücker Heide nachgewiesen werden. Es dürfte sich um den dritten Nachweis in Sachsen handeln, weil es bisher nur eine Fundmeldung aus den 1980er Jahren aus den Papitzer Lehmlachen bei Leipzig gibt (Fichtner 1984) und von 2012 aus der Struga-Aue bei Mulkwitz (Oberlausitz) (Gebert 2015). Da es sich ursprünglich um eine südeuropäische Art gehandelt hat, wird die Zugehörigkeit zur mitteleuropäischen Fauna von manchen Autoren infrage gestellt.
Abb. 30-11: Anfang August 2024 konnte ein Exemplar der Kurzflüglerart Achenium depressum per Lichtfang in der Pulsnitzaue im südlichen Teil der Königsbrücker Heide nachgewiesen werden. Es ist ein Erstnachweis für die Käferfauna der Oberlausitz und der dritte Fund in Sachsen, den 2024 wurde die Art auch von M. Sieber in der Königsbrücker Heide nachgewiesen, ebenfalls beim Lichtfang. Der Erstnachweis gelang Mitte August 2023 im Nationalpark Sächsische Schweiz südöstlich von Hinterhermsdorf (leg., det. et coll. J. Lorenz).
Abb. 30-12: Im Juni 2024 konnte ein Exemplar der seltenen Teppichkäfert Attagenus schaefferi im Lufteklektor nachgewiesen werden, der in einer toten Birke hing. Bisher gibt es erst wenige Funde in Sachsen, beispielsweise von 2011 aus Dresden in einem Lufteklektor, der in einer Totholz-Pyramide aus Lindenstämmen hing sowie dem oberlausitzer Cunewalde, ebenfalls in einem Lufteklektor, der der allerdings in einer Linde hing (alle leg., det. et coll. J. Lorenz).
Abb. 30-13: Anfang September 2024 konnte ein Exemplar des Glanzkäfers Epuraea ocularis beim Lichtfang am Bohraer Wasser im Süden der Königsbrücker Heide nachgewiesen werden. Es handelt sich um eine sich rasch ausbreitende Adventivart aus Asien, die 1999 am Kaiserstuhl erstmals in Deutschland nachgewiesen wurde (Renner 2000). Aus Sachsen gibt es 2008 erste Fundmeldungen aus der Oberlausitz von M. Sieber und W. Hofmann und seitdem weitere von mehreren Fundorten (Klausnitzer et al. 2018). Die ersten eigenen Funde stammen von 2019 per Lichtfang am Elbufer bei Dresden-Stetzsch und dann fast jedes Jahr beim Lichtfang im eigenen Garten bei Meißen, aber auch per Gesiebe sowie in einem Baumhöhlen-Eklektor. 2023 wurde die Art auch im Kleinen Zschand bzw. in der Hinteren Sächsischen Schweiz also abseits von Siedlungen nachgewiesen, sodass wohl von einer mittlerweile flächendeckenden Besiedlung Sachsens ausgegangen werden muss.
Abb. 30-14: Ein Exemplar dieser recht seltenen Schimmelkäferart ist am 16.7.2024 am Rande der Otterbachaue bzw. im zentralen Teil der Königsbrücker Heide per Lichtfang nachgewiesen worden. Es gibt bisher nur wenige eigene Funde, beispielsweise von 1992 aus der Kleinkuppenlandschaft nördlich von Dresden sowie von 2005 und 2007 aus dem Moritzburger Wald, wobei als Lebensräume Feuchtwiesen, vegetationsreiche Gewässerufer, feuchte Hochstaudenfluren zu nennen sind.
Abb. 30-15: Mitte Mai 2024 wurde ein Exemplar des seltenen Glattkäfers Olibrus gerhardti mit dem Streifsack von einer relativ trockenen Wiese bezeichnenderweise in der Nähe des Dürrwiesengrabens im Süden der Königsbrücker Heide gekäschert. Bisher war nur eine alte Fundmeldung M. Sieber aus der Oberlausitz bekannt (Klausnitzer et al. 2009). Insofern handelt es sich um einen Wiederfund für Sachsen nach fast 50 Jahren.
Abb. 30-16: Anfang August 2024 konnten mehrere Exemplare des Gehörnten Blütenmulmkäfers Mecynotarsus serricornis beim Lichtfang in der Pulsnitzaue bzw. im sandigen Umfeld der Lichtfanganlagen im südlichen Teil der Königsbrücker Heide nachgewiesen werden. Die sehr kleine, grazile Art wird leicht übersehen und scheint eng an sandige, trockene Böden gebunden zu sein. Sie hat ihren Verbreitungsschwerpunkt im Nordosten Deutschlands. In Sachsen konnte ich die Art bisher vor allem in der Bergbaufolgelandschaft um Hoyerswerda finden sowie im Dresdner Sandgebiet „Heller“.
Abb. 30-17: Anfang August 2024 wurde auf einer Heide im südwestlichen Teil der Königsbrücker Heide ein männliches Exemplar des relativ seltenen Blattkäfers Cryptocephalus populi von Zitterpappel geklopft. Laut www.coleoweb.de gibt es bisher nur wenige Fundmeldungen aus Sachsen, beispielsweise aus Hoyerswerda von W. Hofmann (Klausnitzer et al. 2009).
Abb. 30-18: Anfang August 2024 wurde ein Exemplar des Rüsselkäfers (Anthonomus undulatus) im Lufteklektor gefangen, der für die Zeit des Lichtfanges am Boden mit einer Ento-LED + Powerbank bestückt wurde und in der Krone einer Erle in der Pulsnitzaue im mittleren Teil der Königsbrücker Heide hing. Laut www.coleoweb.de gibt es bisher nur wenige Fundmeldungen aus Sachsen (siehe auch Hornig 2020).
Abb. 30-19: Anfang August 2024 konnte ein Exemplar des relativ seltenen Rüsselkäfers Curculio betulae per Lichtfang in der Pulsnitzaue im südlichen Teil der Königsbrücker Heide nachgewiesen werden.
In den Abbildungen 35_20 bis 35_23 in den vier Tabellen sind alle Rote-Liste-Arten (sogenannte bundesdeutsche als auch diverse sächsische, die es nur für wenige Käfergruppen gibt), gesetzlich geschützten Arten sowie sonstige faunistische Besonderheiten (subjektive Einschätzung des Autors auf Grundlage einer 45jährigen entomofaunistischen Tätigkeit in Sachsen) aufgelistet. Unter den 706 Käferarten sind 32 Arten laut Bundesartenschutzverordnung „gesetzlich besonders geschützt“ (siehe 35_20 bis 35_23, Spalte: „BAV“).
Abb. 35-20: Teil1: Rote-Liste-Arten und geschützte sowie faunistisch interessante Käferarten aus den 2024er Erfassungen in der Königsbrücker Heide mit ökologischen Angaben
Abb. 35-21: Teil2: Rote-Liste-Arten und geschützte sowie faunistisch interessante Käferarten aus den 2024er Erfassungen in der Königsbrücker Heide mit ökologischen Angaben
Abb. 35-22: Teil3: Rote-Liste-Arten und geschützte sowie faunistisch interessante Käferarten aus den 2024er Erfassungen in der Königsbrücker Heide mit ökologischen Angaben
Abb. 35-23: Teil4: Rote-Liste-Arten und geschützte sowie faunistisch interessante Käferarten aus den 2024er Erfassungen in der Königsbrücker Heide mit ökologischen Angaben
Mit reichlich 700 Käferarten, darunter viele faunistisch bemerkenswerte Seltenheiten, die innerhalb nur einer Vegetationsperiode mit wenigen Erfassungen auf freizeitentomologischer Basis zusammengetragen wurden, konnte ein überraschend gutes Ergebnis erzielt werden. Es wird das große Potenzial der Königsbrücker Heide als Refugium einer Vielzahl an gesetzlich geschützten, gefährdeten und seltenen Käferarten sichtbar, wenngleich diese zweijährige stichprobenhafte Bestandsaufnahme mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht als repräsentativ eingestuft werden kann und die weitere Erforschung der Käferfauna der Königsbrücker Heide wünschenswert wäre. Dennoch kann das Gebiet anhand dieses Zwischenergebnisses als essentieller Lebensraum einer Vielzahl an gesetzlich geschützten sowie ökofaunistisch und naturschutzfachlich wertgebenden Käferarten angesehen werden, und sie hat aus entomofaunistischer Sicht eine große überregionale, eventuell sogar deutschlandweite Bedeutung. Als einzigartig an der Königsbrücker Heide kann unter Berücksichtigung der ausgeräumten urbanen Umgebung hervorgehoben werden, dass es offensichtlich eine der wenigen Flächen ist, wo sich seit 30 Jahren anthropogen kaum beeinflusste Habitatstrukturen entwickeln konnten bzw. auf dem Großteil der Fläche eine ungestörte Sukzession zugelassen wurde. Von großem naturschutzfachen Wert sind einerseits die unverbauten Bachauen und angrenzende Teiche und Röhrichte sowie bachbegleitende Erlenwälder an Pulsnitz, Otterbach, Bohraer Wasser Tännichtbach u.a. wo eine natürliche Fließgewässerdynamik vorherrscht und andererseits die relativ großen offenen Sand- und Heideflächen, aber auch magere Wiesen und Ruderalfluren, die allerdings einer gewissen extensiven Pflege bzw. Bewirtschaftung unterliegen (müssen). Die Schutzwürdigkeit kann aus Sicht der hier untersuchten Tiergruppe nachgewiesen werden.
Internet: Coleoptera Europaea (2025): URL: https://www.coleoweb.de, 13.12.2025