Die Käferfauna auf dem Gelände des Interkulturellen Garten Coswig e.V.

Im Auftrag des Vereins „Interkultureller Garten Coswig e.V.“ erfolgte 2023 eine Erfassung der Käferfauna auf einem Teil des stellenweise als Gemüsegarten genutzten, teilweise als Wiese, Brache und Gehölzstreifen zu charakterisierenden, ca. 9.000 m² großen Geländes einschließlich naturschutzfachlicher Bewertung.

Methodik

Um ein breites Spektrum der tatsächlich vorhandenen Käferarten eines solchen Gebiets nachweisen zu können, kamen mehrere Fangmethoden zum Einsatz. Von Mai bis Oktober 2023 sind zwei sogenannte Kreuzfensterfallen (Abb. 27_01) installiert worden, die alle 4 Wochen geleert wurden. Hierbei handelt es sich um Lufteklektoren mit 50 cm Höhe und 33 cm Breite, die in der Baumkrone einer abgestorbenen Birke im Norden des Geländes (51°07’52.9‘‘N, 13°34’32.5‘‘E) und eines Apfelbaums im Süden des Geländes (51°07’43.7‘‘N, 13°34’31.5‘‘E) hingen.

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Abb. 27_01: Beispiel für eine Fensterkreuzfalle (Eigenbau)

Zudem wurde von Mai bis Juli 2023 mit vier Bodenfallen bzw. Kunststoffbechern gefangen, die in einer Linie im Abstand von ca. 10 m ebenerdig auf einer Wiese im zentralen südlichen Teil des Geländes (51°07’49.1‘‘N, 13°34’32.1‘‘E) eingegraben waren und alle 14 Tage geleert wurden (Abb. 27_02). Als Konservierungsflüssigkeit kam starke Salzlösung zum Einsatz, der etwas Essig und Alkohol sowie Detergenz (Waschpulver zur Herabsetzung der Oberflächenspannung der Flüssigkeit) zugesetzt war. Das Fangmaterial wurde im Labor mit Hilfe einer Lupenlampe und eines Stereomikroskops ausgelesen, wobei alle Käfer separiert und in 70%igem Alkohol konserviert wurden, um alles später bis zur Art bestimmen zu können.

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Abb. 27_02: Beispiel für eine Bodenfalle (Kunststoffbecher mit ca. 10 cm Öffnungsdurchmesser bzw. 0,5 Liter Volumen)

Mitte August fand ein Lichtfang statt, um nachtaktive und lichtaffine Käfer anzulocken (Standort: 51°07’48.3‘‘N, 13°34’31.2‘‘E) (Abb. 27_03 und 27_04).

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Abb. 27_03: Lichtfang

Alle 14 Tage fanden Handfänge statt, indem mit Streifsack und Klopfschale (Abb. 27_04) die Vegetation nach Käfern abgekäschert und abgeklopft wurde.

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Abb. 27_04: Kunststoffschale, über der Äste und grobe, dornige Vegetation ausgeklopft wurde

Die Standorte der oben genannten Erfassungsmethoden sind aus der folgenden Übersichtskarte ersichtlich (Abb. 27_05)

Abb_27_05_Uebersicht_Fangmethoden_InterkultiGartenCoswig2023

Abb. 27_05: Untersuchungsfläche und Standorte der Erfassungsmethoden

Ergebnisse

Insgesamt konnten 448 Käferarten nachgewiesen werden, von denen 9 Arten laut Bundesarten-schutzverordnung als „gesetzlich besonders geschützt“ gelten (siehe Tab. 1, Spalte: „BAV“) und dadurch eine relativ große naturschutzrechtliche Relevanz besitzen. 39 Arten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten Deutschlands, darunter 10 „gefährdete“ und eine „vom Aussterben be-drohte“ Art sowie 15 Arten der Vorwarnliste, 5 Arten bei denen eine Gefährdung unbekannten Aus-maßes angenommen wird (Kategorie „G“) und eine Art, die bisher als extrem selten galt (Kategorie „R“) sowie 7 Arten mit defizitärer Datenlage (Kategorie „D“), sodass keine Gefährdungseinstufung erfolgte. Nach Schmidl, J. & H. Bußler (2004) gelten 5 Arten als sogenannte „Indikatorarten“, d.h. sie besitzen eine große ökologische und bioindikatorische Relevanz und unterstreichen den hohen naturschutz-fachlichen Wert der Alt- und Totholzstrukturen auf dem Gelände (Tab. 1, Spalte „IA“) (Tab. 1).

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Abb: 27_06: Liste der auf dem Gelände des Interkulturellen Gartens Coswig nachgewiesenen faunistisch bemerkenswerten Käferarten mit Gefährdungs- und Schutzstatus sowie ökologischen Angaben (nach Koch 1989a, 1989b, 1992)

Aus entomofaunistischer Sicht besonders hervorzuheben ist der Erstnachweis des Kurzflüglers Tasgius pedator (Abb. 27_07), d.h. diese Käferart wurde bisher noch nie in Sachsen gefunden. Demzufolge scheint der Interkulturelle Garten der bislang einzige Lebensraum in Sachsen zu sein, in dem die Art lebt.

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Abb. 27_07: Die ca. 2 cm lange Kurzflüglerkäferart Tasgius pedator wurde erstmals in Sachsen nachgewiesen

Von der nur reichlich 1 mm kleinen Käferart Arthrolips picea, wurden in den Bodenfallen Ende Mai und Ende Juni 2023 je ein männliches Exemplar nachgewiesen. Wegen des großen Halsschildes unter dem der Kopf verborgen und von oben nicht sichtbar ist, werden sie auch als Kapuzenkäfer bezeichnet. Da einige Vertreter unter der Rinde und im morschen Holz gefunden werden, nennt man sie auch „Faulholzkäfer“. Laut des Portals www.coleoweb.de konnte die Art erst das zweite Mal in Sachsen nachgewiesen werden. Auch deutschlandweit liegen nur wenige Fundmeldungen vor, was aber durchaus auch mit der Kleinheit und der schweren Bestimmbarkeit zusammenhängen könnte, weil eigentlich nur die männlichen Käfer durch das Herauspräparieren des Genitals sicher determinierbar sind.

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Abb. 27_08: Der reichlich 1 mm kleine Arthrolips picea hat erst zwei Fundmeldungen aus Sachsen

Die laut Renner (2012) aus der tropischen Orientalis stammende und damit bei uns eingeschleppte, 2 mm kleine Silvanus recticollis wurde 2009 erstmals in Deutschland nachgewiesen (Reibnitz 2009) und scheint sich invasiv auszubreiten (Kopetz & Weigel 2015). Bis dato gab es unter dem Namen Raubplattkäfer zwei heimische Arten (Silvanus bidentatus und Silvanus unidentatus), die man nicht selten unter Laubholzrinde finden kann. Nach bisherigem Kenntnisstand dürfte die „neue“ Art auch erst das zweite Mal in Sachsen gefunden worden sein. Sie soll sich wahrscheinlich in warmen Komposten entwickeln. Der erste Nachweis stammt aus der Elbaue bei Dresden vom Juni 2019 (leg., det., coll. J. Lorenz). Ebenso wie der Erstfund konnte der Käfer auch diesmal per Lichtfang, allerdings Mitte August 2023, angelockt werden.

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Abb. 27_09: Vom 2 mm kleine Silvanus recticollis liegt erst die zweite Fundmeldung aus Sachsen vor

Vom 3 mm kleinen Mais-Kornkäfer (Sitophilus zeamais) wurde ein Exemplar im August 2023 im Lufteklektor, der an der toten Birke hing, gefangen. Sicherlich handelt es sich eher um einen Zufallsfund, weil die Käferart nichts mit dem Birkentotholz oder der Vegetation in der Umgebung zu tun hat. Laut Portal www.coleoweb.de dürfte es sich um die zweite Fundmeldung in Sachsen handeln. Die Art gilt weltweit als gefürchteter Maisschädling und wird durch die Globalisierung und den vielfach fragwürdigen internationalen Waren- und Rohstoff-Import/Export überall hin verschleppt.

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Abb. 27_10: Der 3 mm kleine Mais-Kornkäfer (Sitophilus zeamais) wurde erst das zweite Mal aus Sachsen gemeldet

Der nur knapp 2 mm kleinen Moderkäfer Corticarina truncatella wurde mehrfach in den Bodenfallen und mittels Streifsack auf der artenreichen Wiese in der Mitte des Untersuchungsgeländes gefangen. Es liegen nur wenige Fundmeldungen aus Sachsen vor. Die Art soll vorzugsweise auf besonnten, wärmebegünstigten, sandigen Stellen leben.

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Abb. 27_11: Vom 2 mm kleinen Moderkäfer (Corticarina truncatella) gibt erst nur wenige Fundmeldungen aus Sachsen

Vom ebenfalls nur 2 mm kleinen Moderkäfer Cartodere bifasciata gibt es nun die vierte Fundmeldung aus Sachsen. Nachdem die Art 2020 erstmals in der Oberlausitz nachgewiesen wurde und 2022 bei Leipzig (Hornig 2022) ist der Moderkäfer Anfang 2023 im eigenen Garten südwestlich von Meißen gefunden worden und nun mit dem Streifsack auch im Mai, Juni und Juli 2023 im Interkulturellen Garten Coswig. Die Art stammt ursprünglich aus Australien und wird bereits seit längerem an den europäischen Küsten respektive Hafenstädten gefunden. Offensichtlich wird die unscheinbare Art regelmäßig durch den internationalen Handel verschleppt und scheint sich bei uns zu etablieren. Eine invasive Ausbreitung dürfte für diese flugunfähige Art sicherlich nicht vorzuliegen. Da mit der Globalisierung und dem internationalen Handel im mehr Warenimporte in immer kürzerer Zeit stattfinden, ist die weitere Verschleppung zwangsläufig. Kann es als ein Zeichen von begrenzter Isolation gedeutet werden, wenn so ein quasi Kosmopolit 35 Jahre seit der „Grenzöffnung“ benötigt, um den Weg in die ostdeutsche Provinz zu finden 😉?

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Abb. 27_12: Der aus Australien stammende und nahezu weltweit verschleppte 2 mm kleine Moderkäfer (Cartodere bifasciata) scheint nun auch endlich in der sächsischen Provinz angekommen zu sein

Mitte Oktober 2023 konnten zwei Exemplare von Corticatia obscura aus den vertrockneten Blütenständen von Königskerze (Verbascum densiflorum) geklopft werden. Die unscheinbare, nur 2 mm kleine Moderkäferart ist erst wenige Male in Sachsen gefunden worden.

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Abb. 27_13: Vom 2 mm kleinen Moderkäfer (Corticaria obscura) gibt erst nur wenige Fundmeldungen aus Sachsen

Hirticomus hispidus wurde mehrfach in den Bodenfallen gefangen, die auf der Wiese im zentralen Teil des Geländes eingegraben waren. Von diesem nur 3 mm kleinen Käfer gibt es aus ganz Deutschland nur wenige Fundmeldungen – aus Sachsen sind bisher 3 Nachweise bekannt. Die zur Gruppe der Halskäfer oder Blütenmulmkäfer gehörende Art lebt vorzugsweise auf sandig-kiesigen, spärlich bewachsenen Böden.

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Abb. 27_14: Der Blütenmulmkäfer (Hirticomus hispidus) scheint in ganz Deutschland ziemlich selten zu sein

Im Juni 2023 wurde ein ca. 2 cm großes Exemplar von Trichoferus campestris im Lufteklektor gefangen, der in der abgestorbenen Birke hing. Es ist unklar, ob sich das Tier auch in der Birke entwickelt hat. Wahrscheinlicher ist, dass das Tier zufällig aus der Umgebung angeflogen kam und in die Falle geraten ist. Die in Asien beheimatete Bockkäferart Trichoferus campestris wird seit mehreren Jahren immer mal wieder mit Importen und wahrscheinlich im Verpackungsmaterial aus Holz zu uns verschleppt. Bisher sind keine invasiven Ausbreitungstendenzen bekannt. Insofern scheint es nicht solche Quarantänebestimmungen zu geben, wie beispielsweise beim Asiatischen Laubholzbock. Dennoch steht Trichoferus campestris auf der sogenannten EPPO A2-Liste des Julius-Kühn-Instituts, das für die Schaderreger-Überwachung Empfehlungen herausgibt (siehe auch: (https://pflanzengesundheit.julius-kuehn.de/dokumente/upload/809e3_trichoferus-campestris_express-pra.pdf).

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Abb. 27_15: Die aus Asien eingeschleppte Bockkäferart Trichoferes campestris wurde bisher erst wenige Male in Deutschland nachgewiesen bzw. gemeldet

Der Rüsselkäfer Cleopus solani wurde mehrfach im Juli und Oktober 2023 von Großblütiger Königskerze (Verbascum densiflorum) geklopft. Bislang gab es aus Sachsen nur wenige ältere Fundmeldungen aus 1950 bis 1960er Jahren (Hornig 2022). Im Interkulturellen Garten konnte die Art nun erstmal nach dem Jahr 2000 (das als „Referenzjahr“ für „Alt- bzw. Neufunde“ festgelegt wurde) und somit aktuell nachgewiesen werden.

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Abb. 27_16: Der an Königskerze lebende Rüsselkäfer Cleopus solani wurde erstmals seit der Jahrtausendwende in Sachsen gefunden, d.h. aus den vergangenen 23 Jahren gab es keine Fundmeldung aus Sachsen

Vom Acker-Ehrenpreis-Rüsselkäfer Gymnetron rotundicolle gibt es erst seit 2011 gesicherte Fundmeldungen aus Deutschland, v.a. aus Südwestdeutschland und bisher aus Sachsen nur mehrere Nachweise aus dem Gebiet um Zittau. Ende Mai und Ende Juni wurde die Art auch auf Pferdeweiden in der Sächsischen Schweiz bei Kleingießhübel und im Westerzgebirge bei Breitenbrunn gefunden (leg., det., coll. J. Lorenz, conf. L. Behne) und Ende Juni nun auch im Interkulturellen Garten Coswig. Alle eigenen Nachweise erfolgten mit Bodenfallen. Die Art scheint am Boden zu leben und sich von Acker-Ehrenpreis (Veronica agrestis) zu ernähren.

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Abb. 27_17: Der Acker-Ehrenpreis-Rüsselkäfer Gymnetron rotundicolle hat eine merkwürdige Verbreitung in Deutschland, scheint aber eventuell übersehen worden zu sein

Vom Borkenkäfer Ips duplicatus gibt es nur wenige Fundmeldungen aus Deutschland und Sachsen. Der Erstnachweis für Deutschland gelang Dr. H.-P. Reike im sächsischen Elbsandsteingebirge durch die Auswertung von Käferbeifängen aus Borkenkäfer-Pheromonfallen (siehe auch Hornig et al. 2016). Der zweite Fund stammt vom Juni 2017 von einem Lichtfang des Autors am Elbeufer bei Pirna (siehe auch Hornig & Lorenz 2018) und 2021 im eigenen Garten südwestlich von Meißen. Nun konnte die Art auch Mitte August beim Lichtfang auf dem Gelände des Interkulturellen Gartens nachgewiesen werden. Sie entwickelt sich in Nadelholz.

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Abb. 27_18: Vom Borkenkäfer Ips duplicatus gibt es aus ganz Deutschland und Sachsen nur wenige Fundmeldungen

Der Laufkäfer Harpalus tenebrosus konnte in den Bodenfallen auf der relativ artenreichen Wiese im Interkulturellen Garten nachgewiesen werden. Es liegen bisher nur wenige Fundmeldungen aus Deutschland und Sachsen vor. Eigenartigerweise konzentrieren sich die aktuellen Nachweise bei uns auf das obere Elbtal zwischen Pirna, Dresden und Meißen.

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Abb. 27_19: Der Laufkäfer Harpalus tenebrosus hat eine regional begrenzte Verbreitung in Deutschland

Fazit

Wegen der vielen Saumstrukturen und relativ artenreichen Vegetation außerhalb der Beete gibt es auf dem Gelände des Interkulturellen Gartens Coswig eine ziemlich große Diversität von Kleinstrukturen, sodass mit 448 Arten eine überdurchschnittlich große Vielfalt in der Käferfauna festgestellt werden konnte. Da die Erfassung nur über eine Vegetationsperiode lief und nur als stichprobenhafte Bestandaufnahme anzusehen ist, kann davon ausgegangen werden, dass mindestens die doppelte Zahl von Arten auf dem Gelände und der näheren Umgebung vorkommen dürften.

Der Interkulturelle Garten kann als essentieller Lebensraum einer relativ großen Zahl an gesetzlich geschützten sowie ökofaunistisch und naturschutzfachlich wertgebenden Käferarten angesehen werden. Es gibt viele Beispiele, wie man die Biodiversität auch im Kleinen und inmitten des ziemlich dicht besiedelten urbanen Raumes fördern kann. Durch das Belassen von „Restnatur“, beispielsweise kleinere Heuhaufen, das Zulassen einer spontanen Sukzession krautiger Pflanzen, eine extensive Wiesenmahd, die Erhaltung von Alt- und Totholz, vor allem Stehend-Totholz, die Anlage von naturnahen Kleingewässern mit flachen, sandigen und steinigen Ufern, Lesesteinhaufen, Brachflächen usw. entstehen vielfältige Klein- und Kleinststrukturen, an und in denen sich Insekten mit unterschiedlichen Ansprüchen entwickeln können und als Unterschlupf nutzen. Entscheidend ist außerdem ein dichtes Netz von Trittsteinbiotopen sowie lineare Ausbreitungskorridore und Habitate, in denen die Natur Vorrang hat und sich möglichst unbeeinflusst vom menschlichen „Ordnungswahn“ entwickeln kann. Sogenanntes Ödland (Brachen und Ruderalflächen) können mannigfaltige Lebensräume und Rückzugsgebiete für viele Arthropodenarten sein, d.h. man sollte auf Restflächen eine spontane Sukzession zugelassen. Bei Gehölz- und Strauchpflanzungen sollte auf heimische Arten gesetzt werden. Die Artenvielfalt von Wiesen kann durch eine Staffelmahd erhöht werden, d.h. es bleibt im jährlichen Wechsel ein Drittel ungemäht und sollte auch im Winter als Brachestreifen erhalten bleiben. Zudem sollten bestimmte Teile der Wiese zeitig im Frühjahr und andere später gemäht werden.

Das Gatrengelände hat aus entomofaunistischer Sicht eine gewisse lokale, aber auch überregionale Bedeutung, wobei es unter Berücksichtigung der ziemlich intensiv genutzten, naturfernen urbanen Umgebung offensichtlich als eine letzte Fläche mit naturnahen Habitatstrukturen angesehen werden kann und als Refugium einiger seltener, gefährdeter und gesetzlich geschützter Käferarten. Die Schutz- und Erhaltenswürdigkeit kann aus Sicht der hier untersuchten Tiergruppe bestätigt werden.

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